Hände mit Fliese

Fliesen auf Fliesen verlegen – Schritt für Schritt

Mühsam mit Bohrhammer und Meißel die alten Fliesen entfernen, das kostete früher Zeit und machte Dreck. Mit neuen flexiblen Materialien lassen sich Fliesen heute einfach und sicher direkt auf alte Fliesen kleben. Dieser Ratgeber erklärt Schritt für Schritt, worauf dabei geachtet werden muss.

Wie lassen sich Fliesen auf Fliesen richtig verlegen?

Damit die neuen Fliesen sicher halten, wird der richtige Kleber benötigt. Empfehlenswert sind entweder kunststoffvergütete Fliesenkleber (Flexkleber) auf Zementbasis oder gebrauchsfertige Dispersionskleber.

Zementäre Flexkleber enthalten Kunststoffzusätze, durch die Fliesen auch glatten Untergründen, zum Beispiel alten Fliesenbelägen, besser haften als mit normalem Zementkleber. Flexkleber können an Wänden und Böden eingesetzt werden.

Dispersionskleber bestehen aus in Wasser gelösten Kunststoffen. Sie können ohne Anmischen sofort verarbeitet werden und härten nicht durch Zementbindung, sondern durch Trocknung aus. Dank ihrer hohen Klebewirkung eignen sie sich sehr gut für glatte Untergründe. Achtung: Dispersionskleber benötigen sehr lange bis zur völligen Durchtrocknung und sind nicht frostbeständig. Sie sollten daher nur auf Wänden und auch nur im Innenbereich zum Einsatz kommen.

Haftgrund und Fugenmörtel sollten passend zum verwendeten Kleber ausgewählt werden – am besten vom gleichen Hersteller. Zu beachten sind hierbei die Hinweise des Herstellers.

Fliesen auf Fliesen verlegen

10 Schritte

1
Materialbedarf vor dem Fliesen ermitteln
Kartons mit Zollstock und Zettel auf Boden
Auf einen Blick
  • Zu verfliesende Bereiche festlegen
  • Betroffene Flächen vermessen
  • Fliesendesign auswählen
So wird es gemacht

Um Ihren Materialbedarf zu bestimmen, legen Sie zunächst die zu verfliesenden Bereiche fest und vermessen die betroffenen Wand- bzw. Bodenflächen. Bei der Bedarfsabschätzung hilft Ihnen die unten aufgeführte Einkaufsliste. Wählen Sie das gewünschte Fliesendesign und nutzen Sie Bordüren oder Dekorfliesen zur individuellen Gestaltung. Denken Sie daran, ein Paket Fliesen als Reserve für spätere Reparaturen aufzubewahren.

2
Untergrund prüfen und vorbereiten
Mann mit Hammer an Fliesen
Auf einen Blick
  • Tragfähigkeit des alten Fliesenspiegels testen
  • Unebenheiten glätten
  • Fläche reinigen
So wird es gemacht

Der Untergrund muss sauber, trocken, eben und stabil genug sein – besonders wichtig bei Bodenfliesen. Die Tragfähigkeit des alten Fliesenspiegels testen Sie ganz einfach durch vorsichtiges Abklopfen mit einem Gummihammer. Lockere Fliesen werden entfernt. Anschließend glätten Sie sämtliche Unebenheiten durch Abspachteln mit Spachtelmasse. Nach ausreichender Trocknungszeit (Herstellerangaben beachten) reinigen Sie die gesamte Fläche sorgfältig von Fett und Schmutz. Gegebenenfalls ist eine Behandlung mit einem Mittel gegen Schimmel notwendig.

3
Fliesenspiegel grundieren
Hand mit Farbrolle auf Fliesen
Auf einen Blick
  • Haftgrund auftragen und trocknen lassen
So wird es gemacht

Vor dem Verfliesen muss der Untergrund grundiert werden. Tragen Sie den mit Quarzsand vergüteten Haftgrund mit einem breiten Pinsel oder einer Farbrolle gleichmäßig auf den alten Fliesenspiegel auf und lassen Sie ihn gut trocknen, am besten über Nacht (Herstellerangabe beachten). Der Haftgrund ist sehr wichtig, denn er gibt dem Fliesenkleber später Halt auf der glatten Oberfläche der alten Fliesen.

4
Fliesen zuschneiden und bohren
Hände mit Fliesenschneidgerät und Bohrer
Auf einen Blick
  • Fliesen zuschneiden
  • ggf. Fliesen bohren
So wird es gemacht

Randfliesen können Sie mit einem Fliesenschneidgerät sauber zuschneiden. Dazu ritzen Sie die Fliese auf der Oberseite an und brechen sie über die Kante. Runde Schnitte erzielen Sie mit einer Fliesenbrechzange oder einer Bohrmaschine mit Lochfräsenaufsatz.

5
Fliesenverlegetechnik und Markierungen: Wandfliesen
Fliesen an Wand in T-Form
Auf einen Blick
  • Senkrechte und waagerechte Grundlinie anzeichnen
  • Erste Fliesenreihe an waagerechter Grundlinie verlegen
  • Fliesen an senkrechter Grundlinie verlegen
So wird es gemacht

Wandfliesen werden symmetrisch verlegt. Zeichnen Sie mit Hilfe einer Wasserwaage eine senkrechte und eine waagerechte Grundlinie an. Beginnen Sie mit der ersten Fliesenreihe an der waagerechten Grundlinie. Wenn nicht in voller Höhe gefliest wird, ist das die obere Begrenzung. Setzen Sie dann das Verlegen an der senkrechten Linie fort (T-Form). Platzieren Sie an der Linie entweder eine Fuge oder die Fliesenmitte. An Außenecken beginnen Sie mit ganzen Fliesen und arbeiten in Richtung Innenecken weiter.

6
Fliesenverlegetechnik und Markierungen: Bodenfliesen
Fliesen auf Boden in L-Form
Auf einen Blick
  • Mitte der Stirnseite des Raumes ermitteln
  • Richtschnur spannen
  • Erste Fliesenreihe entlang der Richtschnur verlegen
  • Verlegen entlang der Stirnseite fortfahren
So wird es gemacht

Für die Bodenfliesen ermitteln Sie die Mitte der Stirnseite des Raumes und spannen dort eine Richtschnur oder zeichnen eine Linie parallel zur Seitenwand. Legen Sie eine erste Fliesenreihe (entweder mit der Fliesenmitte oder einer Kante) entlang dieser Linie aus. Setzen Sie dann das Verlegen entlang der Stirnseite fort (umgekehrte L-Form).

Legen Sie zunächst Fliesen probeweise im Kreuz aus und bestimmen so die Raummitte, um dort die Richtschnur zu spannen bzw. die Linie zu zeichnen.

7
Fliesenkleber auftragen
Hand mit Zahnspachtel auf Fliesen
Auf einen Blick
  • Fliesenkleber anmischen
  • Fliesenkleber auftragen und durchkämmen
So wird es gemacht

Falls Sie keinen gebrauchsfertigen Dispersionskleber verwenden, bereiten Sie eine ausreichende Menge Flexkleber gemäß Herstellerangaben vor. Für das Anmischen können Sie eine Bohrmaschine mit Rühraufsatz in niedriger Drehzahl verwenden. Tragen Sie den Fliesenkleber mit einer Kelle oder Traufel auf den Untergrund auf und kämmen Sie ihn mit einem Zahnspachtel (Glätter) durch. Halten Sie dabei den Zahnspachtel in einem Winkel von ca. 45 Grad. Tragen Sie immer nur so viel Fliesenkleber auf, wie Sie in 30 Minuten verarbeiten können (je nach Arbeitstempo etwa 1 bis 1,5 m²).

8
Fliesen verkleben
Hände halten Fliese an Wand
Auf einen Blick
  • Fliesen andrücken
  • Stichprobenartig Klebermenge prüfen
  • Fliesen anklopfen
  • ggf. Fliesenschienen nutzen
So wird es gemacht

Drücken Sie die Fliesen mit einer leichten Drehbewegung ins Kleberbett ein. Fliesenkreuze helfen Ihnen, den richtigen Abstand zwischen den Fliesen einzuhalten. (Vor dem Verfugen sollten die Fliesenkreuze wieder entfernt werden. Haben sie eine deutlich geringere Höhe als Ihre Wandfliesen, können sie auch überspachtelt werden.) Prüfen Sie stichprobenartig, ob sich ausreichend Kleber auf der Rückseite befindet (mindestens 80 Prozent Bedeckung). Klopfen Sie die Fliesen mit einem Gummihammer leicht an. Für saubere Abschlusskanten nutzen Sie bei Bedarf Fliesenschienen (Eck- bzw. Abschlussprofile). Halten Sie bei Bodenfliesen mindestens eine Fugenbreite Abstand zur Wand bzw. Sockelleiste. Bei Dehnungsfugen im Estrich muss auch im Fliesenbelag an entsprechender Stelle eine Dehnungsfuge eingeplant werden. An Übergängen zu anderen Räumen und Belägen muss die Dehnungsfuge in der gleichen Breite übernommen werden.

9
Fliesen verfugen
Hand mit Rakel an Fliesenwand
Auf einen Blick
  • Fliesen-, Eck- und Anschlussfugen sauberkratzen
  • Fugenmörtel verteilen
  • Mörtel in die Fugen drücken
  • Überschüssigen Mörtel abstreichen
  • Mörtelreste und Mörtelschleier entfernen
So wird es gemacht

Die Fugen zwischen den Fliesen sind wichtig, weil sie Bewegungen und Spannungen ausgleichen. Noch bevor der Kleber ausgehärtet ist (nach ca. 60 Minuten) kratzen Sie Fliesen-, Eck- und Anschlussfugen mit einem Holzkeil sauber. Nach dem Aushärten (Herstellerangaben beachten, mindestens 24 Stunden) rühren Sie flexiblen Fugenmörtel (Flexfuge) zu einem sämigen Brei an. Beachten Sie die Reifezeit. Schützen Sie sich bei der Verarbeitung durch Gummihandschuhe. Verteilen Sie den Fugenmörtel gleichmäßig und drücken Sie ihn mit einem Fugengummi bzw. Gummirakel/-wischer diagonal in die Fugen. Überschüssigen Mörtel streichen Sie sorgfältig ab. Nach dem Antrocknen entfernen Sie mit einem angefeuchteten Schwamm die Mörtelreste. Den letzten Mörtelschleier entfernen Sie mit einem sauberen, trockenen Tuch.

10
Dehnungsfugen verschließen
Mann mit Spritzpistole an Badewanne
Auf einen Blick
  • Dehn-, Eck- und Anschlussfugen verfugen
  • Überschüssige Dichtmasse entfernen
  • Fuge glatt streichen
So wird es gemacht

Alle Dehn-, Eck- und Anschlussfugen werden mit dauerelastischer Dichtmasse, z. B. Silikon, verfugt. Kleben Sie die Fugenränder beidseitig mit einem Malerband ab. Spritzen Sie dann das Silikon mittels einer Kartusche gleichmäßig in die Fuge. Entfernen Sie überschüssiges Silikon und streichen Sie mit dem Fugenglätter die Silikonfuge glatt. Tauchen Sie den Fugenglätter jeweils vor dem Glattziehen in Spülwasser. Es hilft die Materialien zu trennen, sodass kein Silikon am Glätter haften bleibt. Zum Schluss ziehen Sie das Klebeband schräg nach hinten und seitlich von der Fuge weg ab.

Das benötigen Sie für Ihr Projekt

  • Fliesen
  • Fliesenkleber
  • Haftgrund
  • Fugenmörtel
  • Silikon
  • Senklot/Wasserwaage/Zollstock
  • Fliesenschneider, Fliesenzange
  • Putzkelle
  • Glättekelle/Zahnspachtel
  • Fliesenkreuze oder Keile
  • Fliesenschienen
  • Fugengummi
  • Kartusche/Auspresspistole
  • Fugenglätter
  • Fliesenschwamm/Schwammbrett
  • Bohrmaschine (mit Aufsätzen)

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