
Balkonkraftwerk – Alles Wissenswerte im Überblick
Was ist eine Balkon-Solaranlage?
Ein Balkonkraftwerk wird oft auch als Balkon-Solaranlage, Mini-Photovoltaik-Anlage, Stecker- oder steckerfertige Solaranlage bezeichnet. Gemeint ist immer das Gleiche: Eine kleine Photovoltaikanlage aus üblicherweise ein bis vier Solarmodulen, einem Wechselrichter und einem Anschlusskabel, mit dem du die Anlage an dein Haushaltsstromnetz anschließen kannst. Die Leistung dieser Anlagen ist meist auf 600 Watt begrenzt. Was das genau heißt, erfährst du weiter unten in diesem Ratgeber.
Die Module der Balkonsolaranlage lassen sich vergleichsweise einfach am Balkon befestigen, etwa am Geländer. Alternativ kannst du die Module aber genauso gut auf der Terrasse oder dem Garagendach installieren. Den eingespeisten Strom aus deinem Balkonkraftwerk kannst du direkt verbrauchen. Zusätzlich benötigten Strom bekommst du wie gehabt aus dem Stromnetz. Durch den selbstproduzierten Strom beziehst du weniger Strom von deinem Stromanbieter. Dadurch reduzieren sich deine Stromkosten.
Du möchtest mehr über die Stromerzeugung mit Photovoltaikanlagen erfahren? Ausführliche Informationen findest du in diesem OBI Ratgeber:
Wie funktioniert ein Balkonkraftwerk?
Ein Balkonkraftwerk funktioniert genauso wie jede andere Photovoltaikanlage auch. Die Solarzellen innerhalb der einzelnen Solarmodule – oft auch als Solarpanel bezeichnet – wandeln die im Sonnenlicht enthaltene Lichtenergie in elektrische Energie um. Auf diese Weise erzeugt ein Balkonkraftwerk Gleichstrom. Ein Mikro-Wechselrichter wandelt den Gleichstrom in Wechselstrom um. Diesen Strom kannst du in dein Haushaltstromnetz einspeisen und direkt verbrauchen. Produzierst du mehr Strom als du verbrauchst, wird der überschüssige Strom automatisch ins Stromnetz deines Stromversorgers eingespeist.
Maximale Leistung für Balkonkraftwerke

Die Gesamtleistung von Solaranlagen richtet sich maßgeblich nach der Größe und der Anzahl der verwendeten Solarmodule. Das gängige Leistungsmaß für ein einzelnes Solarpanel oder auch eine ganze Anlage ist Kilowatt-Peak (kWp). Dieser Wert gibt an, wie viel Strom ein Modul oder eine Anlage maximal erzeugen kann. Ob dieser Maximalwert tatsächlich erreicht wird, hängt vor allem von der Sonneneinstrahlung ab. Neben dem Wetter ist dafür insbesondere die Ausrichtung der Anlage ausschlaggebend. Der maximalen Leistung für eine Solaranlage auf dem Balkon sind vor allem regulatorische Grenzen gesetzt.
Wie groß darf ein Balkonkraftwerk ohne Genehmigung sein?
Für die Errichtung und den Betrieb von Solaranlagen gibt es in Deutschland verschiedene Genehmigungs- und Anmeldepflichten. Dabei gilt: Balkonkraftwerke bis zu einer Gesamtleistung von 600 Watt unterliegen einem vereinfachten Anmeldungsverfahren. Das bedeutet konkret, dass du die Anlagen selbst beim Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur und deinem Netzbetreiber anmelden darfst. Anlagen mit einer größeren Ausgangsleistung sind zulässig, du darfst sie aber nicht selbst anschließen und anmelden.
Ausschlaggebend für das vereinfachte Anmeldeverfahren für Balkonkraftwerke ist die maximale Einspeiseleistung deiner PV-Anlage. Die richtet sich unter anderem nach der Ausgangsleistung deines Mikro-Wechselrichters. Die Leistung der Photovoltaikmodule kann und darf höher liegen. Liegt die Maximalleistung der Module über 600 Watt, kannst du auch bei schlechten Wetterverhältnissen oder einer nicht optimalen Ausrichtung der Anlage oft noch die zulässigen 600 Watt erzielen. So nutzt du für dich die zulässige Maximaleinspeisung besser aus. Erzeugen die Module etwa im Hochsommer bei vollem Sonnenschein mehr als 600 Watt, speist der Wechselrichter trotzdem nur maximal 600 Watt ein.
Hinweis: Als Mieter oder Besitzer einer Eigentumswohnung solltest du gegebenenfalls noch mit deinem Vermieter oder im Rahmen der Eigentümerversammlung klären, ob du ein Balkonkraftwerk auf deinem Balkon installieren und betreiben darfst.
Balkonkraftwerk anmelden

Bevor du deinen ersten eigenen Sonnenstrom ernten kannst, musst du dein Balkonkraftwerk erst noch anmelden, und zwar gleich zweimal: bei deinem Stromnetzbetreiber und im Marktstammdatenregister (MaStR) der Bundesnetzagentur. Bei größeren Anlagen mit einer Leistung von mehr als 600 Watt kommt eventuell eine zusätzliche Genehmigung hinzu. Das betrifft aber die gängigen Kleinanlagen in der Regel nicht.
Wie die Anmeldungen genau funktionieren und worauf du dabei achten musst, haben wir für dich in einem weiteren Ratgeber zusammengefasst:
Balkonkraftwerk installieren
Mini-PV-Anlagen für den Balkon werden meist als Komplettset angeboten. Das hat den Vorteil, dass alle Komponenten aufeinander und auf die geltenden Bestimmungen für Balkonkraftwerke bis 600 Watt abgestimmt sind. Ein weiterer Vorteil: Die meisten Sets werden mit geeigneten Montagesystemen angeboten. Solche Systeme ermöglichen eine unkomplizierte und sichere Montage am Balkongeländer oder der Hauswand. Häufig sind auch Ständersysteme erhältlich, mit denen du deine Anlage auf der Terrasse, dem Balkon oder dem Garagendach aufstellen kannst. Achte bereits bei der Anschaffung darauf, dass du ein Montagesystem wählst, das zu deinen Gegebenheiten vor Ort und deiner gewünschte Montageweise passt. Beachte bei der Montage grundsätzlich Hinweise in deiner Montageanleitung. Ziehe im Zweifelsfall einen Handwerker oder Monteur mit Fachkenntnissen zurate.
Hinweis: Solarmodule an einem Balkongeländer können zu einem großen Sicherheitsrisiko werden, wenn sie sich lösen und abstürzen. Aus diesem Grund dürfen laut DIN 18008 für Glas im Bauwesen Glas-Solarmodule nicht in Höhen über 4 Metern oder oberhalb öffentlicher Wege und Straßen installiert werden. Leichtere Kunststoffmodule ohne Verglasung oder flexible Module aus Kunststoff sind in diesen Fällen eine gute Alternative.
Für eine möglichst gute Leistung deiner PV-Anlage solltest du auf eine gute Ausrichtung deiner Solarpanels achten. Optimal ist eine Süd-Ausrichtung. Hier ist die Sonneneinstrahlung am stärksten und damit auch die Stromausbeute. Eine Ausrichtung deiner Module nach Osten oder Westen ist ebenfalls möglich, schmälert den Ertrag aber bereits um 10 % bis 20 %.
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Balkonkraftwerk anschließen

Um dein Balkonkraftwerk anzuschließen, musst du die Solarpanels mit dem Wechselrichter verbinden. Da die Module Gleichstrom erzeugen, hast du ein an jedem Modul einen Stecker für den Pluspol und einen für den Minuspol. Die Stecker sind verpolungssicher konstruiert. Die gängigen Mikro-Wechselrichter für Balkonkraftwerke haben Anschlüsse für ein bis zwei Solar-Module und einen Ausgang, den du über ein Anschlusskabel mit deinem Hausnetz verbindest.
Solarpanel für den Balkon an Steckdose anschließen
Damit du den Strom deines Balkonkraftwerks auch nutzen kannst, musst du den Wechselrichter noch mit deinem Haushaltsstromnetz verbinden. Das ist meist über ein Anschlusskabel mit einem haushaltsüblichen Schutzkontaktstecker (Schuko-Stecker) und einer Außensteckdose möglich – allerdings orientiert sich diese Anschlussvariante nicht an den offiziellen Richtlinien des VDE (Verband der Elektrotechnik Elektronik Informationstechnik e. V.)! In den aktuellen VDE-Normen ist zur Einspeisung von sogenannten Energie- oder Einspeisesteckdose die Rede. Dabei handelt es sich um eine Steckdose für einen speziellen Steckertyp mit geschützten Kontakten, der als besonders sicher gilt. Dieser Steckertyp wird auch als Wieland-Stecker bezeichnet. Eine entsprechende Steckdose musst du gegebenenfalls von einem Elektriker installieren lassen. Auch viele Netzbetreiber verlangen bei der Anmeldung des Balkonkraftwerks den Anschluss über eine Einspeisesteckdose. Die Nutzung des Schuko-Stecker zum Anschließen des Balkonkraftwerks stellt jedoch keinen Gesetztesverstoß dar, weshalb dies auch eine Alternative ist.
Hinweis: Möchtest du dein Balkonkraftwerk vorschriftsgemäß installieren und betreiben, solltest du deine Elektroinstallationen und Anschlüsse fachkundig prüfen und bei Bedarf anpassen lassen.
Ausführliche Informationen, worauf du beim Anschluss deines Balkonkraftwerks achten musst, findest du in diesem OBI Ratgeber:
Balkonkraftwerk Stromzähler
Verbrauchst du weniger Strom, als dein Balkonkraftwerk erzeugt, wird dieser überschüssige Strom in das Stromnetz eingespeist. Damit dein regulärer Stromverbrauch nach wie vor korrekt erfasst und berechnet wird, muss dein Stromzähler bestimmte Voraussetzungen erfüllen. Die aktuellen Normen des VDE aber auch viele Netzbetreiber verlangen beim Betrieb eines Balkonkraftwerks einen Zweirichtungszähler, der die eingespeiste Strommenge separat erfasst. Bei den meisten Netzbetreibern kannst du deinen Zähler bei Bedarf kostenlos tauschen lassen. Eventuell fallen für den neuen Zähler dann höhere Jahresgebühren an.
Was bringt ein Balkonkraftwerk?
Mit einem Balkonkraftwerk produzierst du deinen eigenen Solarstrom, den du direkt verbrauchen kannst. Du machst dich damit etwas unabhängiger von Stromanbietern und leistest einen aktiven Beitrag zur CO2-Reduzierung. Indem du einen Teil deines verbrauchten Stroms selbst produzierst, musst du nicht mehr so viel Strom von deinem Stromanbieter beziehen. Dadurch reduzierst du deine Stromkosten.
Lohnt sich ein Balkonkraftwerk?

Ein Balkonkraftwerk lohnt sich vor allem dann, wenn du durch eine gute Ausrichtung die größtmögliche Strommenge von 600 Watt erzeugst und diesen Strom möglichst vollständig verbrauchen kannst. Wie hoch deine tatsächliche Ersparnis ist, hängt auch von deinem aktuellen Strompreis ab.
Unter idealen Voraussetzungen kannst du mit einer Balkon-Solaranlage mit 600 Watt im Jahr durchschnittlich bis zu 600 Kilowattstunden Strom produzieren. Bei einem angenommenen Strompreis von 30 Cent/ kWh ergibt das eine Ersparnis von bis zu 180 Euro im Jahr. Vorausgesetzt, du kannst den selbsterzeugten Strom vollständig verbrauchen. Realistisch sind Einsparungen von 100 bis 150 Euro im Jahr. Damit kann sich ein Balkonkraftwerk unter guten Voraussetzungen im Schnitt nach etwa fünf Jahren amortisieren.
Ob du diese Werte tatsächlich erreichen kannst, hängt auch von deiner persönlichen Lebenssituation ab. In einem Vier-Personenhaushalt hast du tagsüber voraussichtlich einen relativ hohen Stromverbrauch. Der selbsterzeugte Strom deines Balkonkraftwerks kann wahrscheinlich zu einem großen Teil verbraucht werden. In einem Zwei-Personen-Haushalt, in dem beide Partner tagsüber außerhalb arbeiten, wirst du den erzeugten Strom nur schwer dann verbrauchen können, wenn er produziert wird. Je nach individuellem Stromverbrauch kann es sich daher auch lohnen, ein kleineres Balkonkraftwerk zu wählen.
Tipp: Ermittle deinen individuellen durchschnittlichen Stromverbrauch anhand deiner Zählerstände. So hast du eine gute Grundlage, um die Wirtschaftlichkeit eines Balkonkraftwerks für dich zu ermitteln.
Speicher für Balkonkraftwerke
Kannst du den Strom deines Balkonkraftwerks nicht direkt verbrauchen, speist du ihn automatisch in das Stromnetz ein. Der Aufwand und die technischen Voraussetzungen für eine Einspeisevergütung sind vergleichsweise hoch und lohnen sich bei den geringen Stromüberschüssen in der Regel nicht. Eine Alternative kann ein Stromspeicher sein. Darin speicherst du Strom, wenn du ihn nicht direkt verbrauchen kannst, anstatt ihn ins Stromnetz einzuspeisen. So steht er dir zu Verfügung, wenn du ihn tatsächlich benötigst. Auch, wenn das Balkonkraftwerk gerade keinen Strom liefert.
So kannst du mit einem Speicher für dein Balkonkraftwerk den Eigenverbrauchsanteil deines Balkonstroms deutlich erhöhen. Leider haben Speicher für Balkonkraftwerke einen entscheidenden Nachteil: Sie sind recht teuer. Selbst mit kleineren Speichern verdoppeln sich so schnell die Investitionskosten für dein Balkonkraftwerk. Kosten, Nutzen, Speicherkapazitäten und deine tatsächlichen Stromverbräuche solltest du für diese Variante sehr genau ermitteln und miteinander vergleichen.









