
Interview mit dem Experten: So sehen Bienen deinen Garten
Du hast ein buntes Blütenmeer vor der Haustür und trotzdem tummeln sich nur selten Bienen darin? Das könnte daran liegen, dass Bienen die Welt ganz anders sehen. Was du als farbenfroh wahrnimmst, ist für Bienen oft nur ein einheitliches Grau. Davit Arican erklärt uns im Interview, wie Bienen Farben wahrnehmen und gibt Tipps, wie du deinen Garten noch einladender für Bienen gestalten kannst.
Hi Davit, kannst du mir kurz beschreiben, was du beruflich eigentlich machst?

Als Gartenbauingenieur kümmere ich mich in erster Linie um die Gartenprojekte meiner Kunden. Meine Aufgabe ist es, mein Experten-Wissen, die örtlichen Gegebenheiten und die Kundenwünsche in Einklang zu bringen. Man kann sagen, mit der Zeit ist aus meinem Beruf eine Berufung geworden. Ein Trend, den ich gerade in vielen Gärten umsetze, ist die bienenfreundliche Bepflanzung.
So sehen Bienen deinen Garten
Warum sollte ich meinen Garten bienenfreundlich gestalten?
Bienen sind unheimlich wichtig als Bestäuber. Sie tragen dazu bei, dass die Pflanzenwelt wie wir sie kennen weiter bestehen bleibt. Sie sorgen für frisches Obst, Gemüse und produzieren Honig. Im Ökosystem erfüllen sie also viele Aufgaben. Leider ist ihr Bestand seit Jahren in Gefahr.
Zum Glück kannst du ihnen aber dabei helfen, sich in deinem Garten wohlzufühlen. Schaffe die passende Nahrungsgrundlage, indem du die richtigen Pflanzen in den Garten holst. Schon bei der Planung deines Gartens solltest du Pflanzen aussuchen, die nützlich für Bienen sind.

Was wirkt besonders einladend für Bienen?
Bienen sammeln Blütenpollen, um ihre Brut zu ernähren. Deshalb sind sie ständig auf der Suche nach pollenreichen Pflanzen. Es spielt aber eine ebenso große Rolle, welche Farben deine Pflanzen haben. Denn Bienen nehmen Farben ganz anders wahr als Menschen. Sie haben gelernt, dass Blüten sich durch ihre besonderen Farben und Formen stark von der Umgebung abheben. Vielfältige Muster und Farben ziehen sie also regelrecht an.
Warum nehmen Bienen Farben anders wahr als wir?
Bienen sehen ein anderes Spektrum, was die Längen der Lichtwellen angeht. Zwar haben sie ebenfalls drei Farbrezeptoren wie der Mensch, allerdings reagieren Bienen unterschiedlich auf die Wellenlänge des Lichts. Sie können kein Rot sehen, aber dafür nehmen sie bereits Lichtwellen wahr, die im kurzwelligen UV-Bereich liegen. Was für uns nach einem saftigen Grün aussieht, kann für Bienen nur ein mattes Grau-Grün sein. Es hängt alles von der Reflexion des Lichts ab. Was dem menschlichen Auge rot oder grün erscheint, reflektiert oft im UV-Bereich. Und das können Bienen sehr gut sehen. Selbst unser Schwarz kann in der Farbwahrnehmung der Bienen hell strahlen, je nachdem, ob Licht im UV-Bereich reflektiert wird.
Sind nur die Farben meiner Pflanzen ausschlaggebend oder gibt es noch andere Merkmale, die Bienen anziehen?
Honigbienen werden von Mustern angezogen. Da sie auch ultraviolette Anteile sehen können, entdecken sie Muster in der Natur, die dem menschlichen Auge oft verborgen bleiben. Gerade weiße Blüten wie bei Margeriten oder Gänseblümchen zeichnen sich für die Bestäuber deutlich vom Hintergrund ab und locken mit UV-Mustern, die ihnen als Orientierungshilfe bei der Landung dienen. Veilchen zum Beispiel locken Insekten ganz bewusst mit ihrem auffälligen Muster an. Blüten, die für uns einfarbig sind, können für Bienen deutliche Zeichnungen aufweisen. Außerdem fühlen sich Bienen in Gärten wohler, in denen es eine große Artenvielfalt gibt oder sogar Nistmöglichkeiten.
Den Bienengarten bepflanzen




Was muss ich bei Pflanzenauswahl beachten?
Ideal ist es, wenn dein Garten Bienen verschiedene Strukturen bietet. Pflanz deswegen am besten Stauden, Gehölze und Sträucher. Du solltest außerdem Pflanzen wählen, die offene Blüten ausbilden. Bei geschlossenen Blüten kommen die Bienen gar nicht erst an die Pollen ran. Das ist besonders bei exotischen Pflanzen oft ein Problem, weil sie trotzdem einladende Farben und Formen haben. Deshalb rate ich immer dazu, heimische Pflanzen zu wählen. Die erkennen Bienen besser und bieten vielen Arten von Wildbienen Nahrung. Diese sind oft robuster als Honigbienen und bestäuben deshalb selbst bei schlechteren Wetterverhältnissen. Allein in Deutschland leben auch 560 Arten von Wildbienen. Manche von ihnen wie die Glockenblumen-Sägehornbiene oder die Malven-Langhornbiene haben sich sogar auf bestimmte Pflanzen spezialisiert und ernähren sich nur Glockenblumen oder Malven.
Bienen freuen sich außerdem, wenn du Früh-, Mittel- und Spätblüher im Beet kombinierst. Greifst du nur zu Frühblühern, finden die Pollensammler schon im Sommer keine Nahrung mehr in deinem Garten.
Welche Pflanzen würdest du mir im Garten empfehlen? Welche Pflanzen mögen Bienen besonders gerne?
Bäume bilden mehr Blüten als Stauden aus und bieten so viel Nahrung auf einer Stelle. Damit schafft man nicht nur optisch, sondern auch ökologisch ein Highlight. Mein Tipp für das Frühjahr: Plane eine Weide im Garten. Die sind reich an Eiweiß und ein echter Kick-Start für die junge Bienen Brut. Haselnusssträucher blühen auch schon früh und können helfen, das Bienenvolk zu stärken. Weil es so viele verschiedene Bienenarten gibt, lässt sich natürlich nicht pauschal sagen, was Bienen am besonders gerne haben, aber Katzenminze ist ein echter Dauerbrenner unter den bienenfreundlichen Pflanzen. Aber selbst alles, was als Unkraut bezeichnet wird, kann für Bienen und andere Insekten wichtig sein. Lass den Löwenzahn im Garten also ruhig mal stehen.
Bring deinen Garten zum Summen!
Funktioniert bienenfreundliche Bepflanzung auch auf kleinem Raum? Welche Tipps hast du für den Balkon?
Natürlich funktioniert das auf deinem Balkon! In Balkonkästen, Töpfe und Kübel kannst du viele Pflanzen beheimaten, die Bienen brauchen. Würde in einem Haus mit acht Parteien jeder einen Balkonkasten bepflanzen, wäre Stadtbienen schon sehr geholfen. Du kannst sogar Nistmöglichkeiten schaffen – wenn du deinen Gästen später nicht in die Quere kommst. Glockenblumen werden sehr gerne angeflogen und gedeihen auch im Kasten. Bekannt für ihre anziehende Wirkung auf Bienen sind Lavendel und Salbei. Die brauchen nicht viel Platz und sehen besonders gut aus. Falls du eine Bepflanzung mit Kräutern auf dem Balkon planst, solltest du diese blühen lassen. Werden die Kräuter vorher immer gleich geerntet, profitieren Bienen nicht davon. Ein kleiner Tipp von mir: Die Malve ist ein unterschätztes Gewächs für den Garten und den Balkon. Die Blüten kannst du sogar selbst essen! Mit dieser Pflanze zum Anbeißen machst du also garantiert nichts falsch.




