Überblick verschiedene Fliesenarten

Weiße Wandfliesen und dunkle Bodenfliesen in einem Badezimmer mit Waschbecken und Toilette

Geflieste Böden oder Wände belohnen durch vielseitige Ästhetik und lange Haltbarkeit – allerdings nur, wenn man sich im Vorfeld Gedanken darüber macht, welche Fliesenart die richtige für das geplante Vorhaben ist. Denn Fliesen müssen je nach Einsatzgebiet verschiedene Voraussetzungen erfüllen. Hier erfahren Sie, welche Fliesenarten es gibt, welche Eigenschaften sie haben und wo sie zum Einsatz kommen können.

1. Fliesen generell 2. Wodurch unterscheiden sich Wand- und Bodenfliesen?
3. Der Klassiker für Innenwände: Steingutfliesen 4. Steinzeugfliesen und Spaltplatten für drinnen und draußen
5. Belastbare Alleskönner: Feinsteinzeugfliesen 6. Natur pur: Natursteinfliesen
7. Eine Frage des Formats: von Mosaik bis Großformat 8. Bordüren: ein echter Hingucker
9. Holzoptik liegt voll im Trend 10. Verblender: Steinoptik für die Wand
Badezimmer mit verschiedenen Fliesenarten

1. Fliesen generell

Glasiert oder unglasiert?
Grundsätzlich haben Sie die Wahl zwischen glasierten und unglasierten Keramikfliesen. Unglasierte Fliesen eignen sich besonders für stark beanspruchte Bereiche wie Terrassen oder Eingangsbereiche. Sie sind rutschhemmender, langlebiger und strapazierfähiger als glasierte Beläge. Der Nachteil: Sie sind anfälliger für Verschmutzungen durch Öl und Fett. Hier hilft eine zusätzliche Imprägnierung. Glasierte Fliesen sind besser gegen Verschmutzungen und chemische Einflüsse geschützt. Dafür sind sie anfälliger für mechanische Einflüsse durch Schuhwerk oder herabfallende Gegenstände. Mit moderner Glasurtechnik können Materialien wie Metall, Zement und sogar Holz optisch perfekt auf Fliesen imitiert werden. Auch farblich sind keine Grenzen gesetzt.

Was bedeutet die Abriebgruppe?
Keramikfliesen werden in fünf Abriebgruppen unterteilt, damit Sie schnell erkennen können, wie stark eine bestimmte Fliesenart belastet werden kann und wo sie am besten verbaut wird.

  • Abriebgruppe 1: leichte Beanspruchung (nicht als Boden geeignet)
  • Abriebgruppe 2: leichte bis mittlere Beanspruchung (Bad, WC, Schlafzimmer)
  • Abriebgruppe 3: mittlere Beanspruchung (Wohnzimmer)
  • Abriebgruppe 4: stärkere Beanspruchung (Flur, Küche, Terrasse)
  • Abriebgruppe 5: starke Beanspruchung (Gewerbe, Läden, Restaurants)

In punkto Sicherheit: Rutschklasse
Fliesen werden zudem in Rutschklassen von R9 bis R13 eingeteilt. Je höher die Zahl hinter dem R, desto rutschhemmender ist der Belag. Achtung: Besonders rutschsichere Beläge sind schwieriger zu reinigen. Für Wohnräume im privaten Bereich gibt es keine Vorschriften bezüglich der Rutschklasse, R9 ist hier generell ausreichend. Für Küchen und Bäder ist jedoch mindestens Rutschklasse R10 zu empfehlen.

Weiße Fliesen in einem Badezimmer mit Grünpflanze und Waschbecken

2. Wodurch unterscheiden sich Wand- und Bodenfliesen?

Da Bodenfliesen stärker beansprucht werden und höhere Gewichte aushalten müssen, sind sie dicker und schwerer als Fliesen für die Wand. Zwar können Sie Bodenfliesen auch an der Wand verlegen, Wandfliesen eignen sich jedoch nicht für die Verlegung am Boden. Sie würden unter der Belastung zerbrechen. Bodenfliesen bestehen aus deutlich härterem Material als Wandfliesen. Das Zuschneiden von Randstücken oder das Ausschneiden von Löchern ist daher mit höherem Aufwand verbunden.

Fliesen mit rektifizierten Kanten
Einige Fliesen werden mit rektifizierten Kanten angeboten. Bei diesen Fliesen werden die Kanten exakt auf das gleiche Maß geschnitten. Hierdurch können sie mit einer besonders engen Fuge verlegt werden. Das Verlegebild erscheint besonders ruhig und harmonisch.

Farbe durch und durch: durchgefärbte Fliesen
Durchgefärbte Fliesen überzeugen vor allem in Bezug auf ihre Langlebigkeit. Das Material ist durchgehend im selben Farbton eingefärbt. Bei Beschädigung zeigen diese Fliesen keine unschönen Verfärbungen an den Stellen, an denen ein Stück abgeplatzt ist. Auch der Abrieb stellt bei durchgefärbten Fliesen kein Problem dar.

Um die Ecke gedacht: Sonderstücke
Viele Hersteller bieten Sonderstücke für Ecken und Kanten an, mit denen sich Übergänge besonders unauffällig gestalten lassen.

Steingutfliesen in einem Badezimmer

3. Der Klassiker für Innenwände: Steingutfliesen

Steingutfliesen bestehen aus feinkörnigen und kristallinen Scherben und werden unter hohem Druck in Form gepresst. Anschließend werden sie glasiert und bei Temperaturen um die 850 bis 1.000 Grad Celsius gebrannt. Steingut muss glasiert werden, da das weiche Material sonst zu anfällig für Beschädigungen wäre. Die Glasur schützt die Oberfläche vor mechanischen und chemischen Einwirkungen sowie Verschmutzung. Steingutfliesen sind pflegeleicht und einfach zu reinigen. Aufgrund der hohen Porosität des Materials sind Steingutfliesen nicht frostsicher und damit nicht für den Außenbereich geeignet.

Das vergleichsweise weiche Material hat einen großen Vorteil: Es lässt sich einfach zuschneiden und kann so auch an verwinkelten Stellen verlegt werden. Aussparungen für Rohre sind leicht zu verwirklichen. Diese Eigenschaft macht Steingut zum idealen Kandidaten für geflieste Wände im Innenbereich.

Rote Steinzeugfliesen im Außenbereich

4. Steinzeugfliesen und Spaltplatten für drinnen und draußen

Steinzeugfliesen werden nach dem selben Verfahren hergestellt wie Steingutfliesen, die Brenntemperatur ist jedoch höher. Bei 1.200 Grad Celsius verschmelzen die Bestandteile miteinander, die Poren werden verschlossen. Steinzeugfliesen sind deshalb wasserabweisend und frostsicher und können innen wie außen verlegt werden. Sie sind extrem hart und widerstandsfähig und unempfindlich gegen chemische Einflüsse. Ihre Oberfläche verfügt über rutschhemmende Eigenschaften. Steinzeugfliesen gibt es in beinahe jedem Farbton, in glasierter oder unglasierter und durchgefärbter Ausführung. Vor allem für Böden, die starken Beanspruchungen ausgesetzt sind, eignen sich unglasierte und durchgefärbte Steinzeugfliesen am besten.

Ebenso belastbar sind Spaltplatten aus unglasierter Naturkeramik. Auch sie werden bei extrem hohen Temperaturen im Strangpressverfahren gebrannt und sind im Innen- und Außenbereich einsetzbar. Beim Strangpressen wird ein langes Band von Fliesen Rücken an Rücken aus einer Maschine gepresst. Anschließend wird das Band in einzelne Kacheln zerteilt. Durch diese Herstellung sind Spaltplatten nicht absolut formgenau und müssen mit größeren Fugen verlegt werden. Ihre Optik verleiht der Fläche, auf der sie verlegt werden, ein natürliches Ambiente.

Graue Feinsteinzeugfliesen im Innenbereich

5. Belastbare Alleskönner: Feinsteinzeugfliesen

Feinsteinzeugfliesen werden aus noch feineren Inhaltsstoffen hergestellt als Steinzeugfliesen. Sie sind noch widerstandsfähiger gegen mechanische Einwirkungen, was sie zu einem enorm strapazierfähigen Bodenbelag macht. Feinsteinzeug weist eine extrem niedrige Porosität auf. Dadurch können die Fliesen fast kein Wasser aufnehmen, sie sind ideal für Bäder geeignet. In Nassbereichen muss auf die Rutschfestigkeit der Fliesen geachtet werden.

Neben glasiertem und unglasiertem Feinsteinzeug haben einige Hersteller auch polierte oder teilpolierte Varianten im Programm. Sie werden nach dem Brennen auf Hochglanz poliert oder anpoliert (teilpoliert). Optisch ist dieser Effekt sehr ansprechend, die Fliese wird jedoch anfälliger und muss imprägniert werden.

Natursteinfliesen im überdachten Außenbereich

6. Natur pur: Natursteinfliesen

Natursteinfliesen stehen für Natürlichkeit und Langlebigkeit. Es gibt Natursteinfliesen in vielen verschiedenen Farben und Größen, meist bestehen die Fliesen aus Granit. Granit ist ein natürlich entstandenes Hartgestein. Die Platten sind frostsicher und für den Innen- wie Außenbereich geeignet. Die individuelle Beschaffenheit jeder Platte mit ihren unterschiedlichen Strukturen, Oberflächen und Besonderheiten belebt die gesamte Fläche und sorgt für ein interessantes Spiel der Farben. Granitfliesen sind besonders abriebfest und langlebig.

Großformatige Fliesen im Badezimmer

7. Eine Frage des Formats: von Mosaik bis Großformat

Vorbei sind die Zeiten, als Fliesen nur im genormten Format von 15 cm mal 15 cm erhältlich waren. Heute geht der Trend zu großformatigen Fliesen mit bis zu 160 cm Kantenlänge. Sie lassen selbst kleine Räume großzügig aussehen und sorgen für optische Ruhe im Raum. Unebene Wände hingegen lassen sich mit Mosaikfliesen kaschieren. Mosaikfliesen setzen Akzente auf kleineren Flächen. Auf weitläufigen Flächen wirken kleine Fliesen jedoch schnell unruhig.

Moderne Bordüren an einer gefliesten Badezimmerwand

8. Bordüren: ein echter Hingucker

Bordüren sind ein echter Hingucker an jeder Wand. Sie setzen farbliche Akzente und durchbrechen gewohnte Muster. Für den Fußbodenbereich gibt es spezielle Bodendekorationen.

Keramikfliesen in Holzoptik sorgen für ungewöhnliche Effekte

9. Holzoptik liegt voll im Trend

Fliesen in Holzoptik bilden Farbe und Maserung des Holzes perfekt nach. In Fischgrätoptik verlegt, stehen sie echtem Parkett in nichts nach. Sie sind pflegeleichter, strapazierfähiger und langlebiger als ihr Holzvorbild. Darüber hinaus sind Holzimitate aus Keramik frostsicher. Ebenfalls groß im Kommen sind Fliesen in Zementoptik: Sie verbreiten urbanes und elegantes Flair, verbunden mit den Vorteilen der Keramik.

Verblender in einem Badezimmer

10. Verblender: Steinoptik für die Wand

Verblender sind spezielle Wandverkleidungen, die dem Raum ein besonderes Ambiente verleihen. Sie können aus Naturstein, Beton, Gips oder anderen Materialien bestehen und werden auf die Wand aufgeklebt. Sie ahmen kleinteilige Mauern aus Naturstein oder Klinker detailgenau nach. Der Fantasie und dem Ideenreichtum sind mit modernen Wand- und Bodenfliesen kaum Grenzen gesetzt: Vom gekachelten Holzboden auf der Terrasse über extrem langlebige Bodenbeläge aus Feinsteinzeug bis hin zu kreativen Designideen durch den Einsatz von Verblendern oder Kacheln in ungewöhnlichen Formaten – die Zeiten der eintönigen und altmodischen Kacheln gehören endgültig der Vergangenheit an.

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